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Verlorene Eier und die Büchse der Pandora

Ich habe heute ein Zitat gelesen (von dem ich nicht weiß ob es stimmt), was meine kongnitive Dissonanz recht gut in Worte fasst: "Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem die Rechten die Coolen sind, die dem Establishment den Mittelfinger zeigen und die Linken die wehleidigen, selbstgerechten Trottel, die alle beschimpfen." (Johnny Rotten/ Sex Pistols)

Ich habe mich politisch immer in der linken Ecke gesehen. In der Jugend Punk, kaputte Hosen, alter Ledermantel, bunte Haare, laute Musik, Tatoo obwohl ich nicht 18 Jahre alt war, rebellieren, anecken, bunte und unrealistische Ideen im Kopf, die schon damals irgendwas mit Weltfrieden zu tun hatten. Ich bin älter geworden, sehe manchmal richtig spießig aus, habe immer noch bunte und unrealistische Ideen im Kopf, von denen ich einige gegen viele Widerstände umsetzen konnte und mich manchmal der Realität geschlagen geben musste.

Und zunehmend frage ich mich: An welchem Punkt hat die linke Bewegung (jenseits von Parteien) eigentlich ihre Eier verloren? An welchem Punkt haben sie angefangen, denjenigen ihre Phrasen zu glauben, die seit Jahren und Jahrzehnten lügen? An welchem Punkt, sind sie zum Schoßhündchen der Politik geworden? Wann habt ihr aufgehört linke Positionen zu vertreten, wie Klassenkampf, Antikapitalismus, Friedensarbeit, Systemkritik usw? Ab welchem Punkt ist von allen linken Positionen nur noch der "Kampf gegen Rechts" übrig geblieben? Und seit wann werden alle Leute die ehemals linke Positionen vertreten als "rechts" bezeichnet? Wofür steht ihr eigentlich und nicht nur wogegen?

Das Parteiensystem ist für mich weitestgehend eine praktizierte Negativauslese. Es gibt einige Ausnahmen an Politikern, denen ich es abnehme, das es ihnen um ein positives Miteinander und eine Entwicklung geht, die den meisten nützt und nicht nur einigen wenigen. Die Mehrheit schafft es ganz viel zu reden ohne etwas zu sagen - eine rhetorische Leistung, aber genau genommen Zeitverschwendung. Welche Versprechen haben Politiker nicht schon gebrochen:

- Mehrwertsteuererhöhung (SPD/ CDU): die einen wollten 2%, die andere sagten mit uns nicht. Man einigte sich in der "Mitte" bei 3%. Klar, oder?!
- Wie oft wurde mit Ausnahmen der persönliche Datenschutz eigentlich schon ausgehebelt?
- Sämtliche Kriegsgründe waren eine Lüge!
- Deutschland hat die großen Flüchtlingsströme der letzten Jahre/ Jahrzehnte mit zu verantworten. Damit auch die vielen Toten, die Verarmung der Länder und das Leid derer die diese Kriege/ Konflikte erlebten und eine Flucht aus ihrer Heimat auf sich nahmen, weil sie keine andere Wahl sahen (Jugoslawien, Libyen, Syrien, Afghanistan...)
- Wie oft wurden Konzerne hofiert, mit Fördermitteln vollgepumt ohne Rücksicht auf Verluste. Umweltschutz? Nachhaltigkeit? Wie oft wurden falsche Versprechen gemacht?

Ich fand und finde einige Bewegungen und Initiativen gut, habe und werde sie auch weiter unterstützen. Ich finde es wichtig unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, aber ich denke E-Autos und Individualverkehr wird nicht die Lösung sein. Ich denke wir können mit unserem Kaufverhalten viel mehr bewirken, als wir glauben. Ich versuche meine Mitmenschen so zu behandeln, wie ich selber behandelt werden möchte, auch wenn sie eine andere Meinung haben. Ich finde es gut, wenn Aktivisten Wälder versuchen zu schützen. Wenn sie leerstehende Häuser besetzen um auf mangelden, bezahlbaren Wohnraum aufmerksam zu machen. Ich finde es gut, wenn Menschen unterstützt werden, die keine erkennbare Lobby in unserer Gesellschaft haben.

Aber, ich finde es auch gut, wenn Menschen für Ihre Meinung einstehen. Wenn sie für Ihre Rechte oder die Rechte anderer demonstrieren. Dabei ist es egal ob ich diese Meinung teile oder nicht. Solange sie das friedlich tun. Ich stelle das Recht der Selbstbestimmung über alles, solange ich damit nicht aktiv anderen Schaden zufüge. Ich habe Respekt gegenüber jedem Menschen - egal welcher Herkunft, Religion, Beruf oder was-auch-immer. Aber all das wird gerade aus den Angeln gehoben. Und das was die linken Bewegungen einmal ausgemacht hat, scheint tot.

Menschen gehen demonstrieren, gegen die Entscheidungen die durch staatliche Strukturen getroffen wurden. Es ist egal, ob man diese Meinung teilt - es ist richtig und wichtig für seine Meinung aufzustehen und diese friedlich kundzutun. Wenn jemand dagegen ist, ist es genau so richtig dagegen aufzustehen. Aber Mülltonnen oder alte Weihnachtsbäume anzubrennen ist genau so sinnfrei wie auf Polizisten einzuprügeln oder Journalisten anzugreifen. Die Mehrheit derer die gerade auf der Straße ihre Meinung kundtun, sind friedlich und das ist wichtig.

Das Recht anzugreifen für seine Überzeugung auf die Straße zu gehen und dieses selektiv in Frage zu stellen, öffnet die Büchse der Padora! Ist das den "linken" Strukturen nicht klar oder ist es ihnen nur zu gut klar? Denn Verbote werden alle treffen und das nächste, dem Staate unliebsame Thema, wird dann keine Chance mehr haben.

Es werden Menschen ausgegrenzt und stigmatisiert, weil sie sich nicht einer Impfung unterziehen wollen, deren einziger bisher bekannter Nutzen der ist, das sie das statistische Risiko eines schweren Verlaufes senken kann. (Eine Risikoabwägung die bekanntlichermaßen in unterschiedlichen Altersgruppen auch sehr verschieden ausfällt.) Es mehren sich Stimmen zum Zwang der Impfung und zur Verweigerung von Behandlungen oder intensiver Ausgrenzung ungeimpfter Personen.

Und wieder - die Büchse der Pandora. DAS ist nur die Steilvorlage ein ohnehin krankendes Gesundheitssystem weiter auszuhölen, schön nach dem Vorbild der privaten Krankenversicherungen und im Sinne eines umafssend gewinnorientiert arbeitenden Systemes. Wo bleiben dann die anderen Risikopatienten: Patienten mit Suchtproblematik, Herzkreislauferkrankungen aufgrund der Lebensweise oder "risikoreiche" Hobbys? Glaubt ihr wirklich das es bei den Ungeimpften bleibt und andere nicht trifft? Seid ihr so naiv?

Jegliche sachliche Diskussion, die versucht die Auswirkungen der Maßnahmen, die gesellschaftliche Entwicklung oder die Risikobewertung der Impfstoffe zu betrachten wird als nicht tolerierbare Schwurbelei, fast als Blasphemie betrachtet. Wir haben es verlernt zu diskutieren und andere Meinungen zumindest zu tolerieren, auch wenn sie nicht unserer entspricht.

Und wieder - glaubt ihr das es euch nicht trifft? Glaubt ihr das es bei den "Schwurbel- Themen" bleiben wird? Glaubt ihr das wir, wenn wir diese Themen totschweigen es noch schaffen über andere, wichtige Themen zu diskutieren? Oder ist es vielmehr eine Entwicklung bei der die Bewertung des Themas vor der Diskusion festgelegt wird? Glaubt ihr, das die Themen, mit denen ihr euch beschäftigt und die euch am Herzen liegen davon verschont bleiben, wenn die den Komfortbereich staatlich-industrieller Strukturen einengen?

Die Teilnahme am sozialen Leben wird an Bedingungen geknüpft. Es werden Kontrolstrukturen geschaffen, die diese Pandemie überdauern werden. Die Schaumweinsteuer gibt es nach über 100 Jahren immer noch... Glaubt ihr, das euch die Kontrollstrukturen verschonen werden, wenn ihr mit anderen Kritiken, Diskussionen oder Forderungen aneckt?

Jede Einschränkung, jede Begrenzung die jemanden trifft, dessen Meinung oder Lebensanschauung ihr nicht teilt, wird euch euch genauso treffen. Einschränkungen sind niemals selektiv. Also lasst euch nicht zum Laufburschen und Helfer derjenigen machen, denen nie etwas an euch lag, die euch belogen haben und das auch weiterhin tun und werden.

Und seid - verdammt noch mal - lieb zueinander!

Und ja das ist echt schwer! Mit jemanden der mit euch auf Linie ist, kann das jeder ... Also wenn ihr noch irgendwo eure Eier verstaubt im Schrank findet, vielleicht habt ihr noch eine grobe Vorstellung wozu man die verwenden kann.

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