www.lucete.de / 2: Übersicht / 2.2: Nicht Friedens erhaltende Maßnahmen > Offener Brief an Fr. Dr. Merkel und den NATO Botschafter der BRD Dr. Lucas
.

Offener Brief an Fr. Dr. Merkel und den NATO Botschafter der BRD Dr. Lucas

Autor: ElHiggi 11.01.2017

Ein paar einleitende Worte vorab: Es gibt unglaublich viele Themen, von denen ich glaube das man sie ansprechen und auch Lösungen finden muss. Alle diese Themen in einem Brief anzusprechen halte ich aber für kaum möglich. In der aktuellen Situation gibt es aber ein großes Kernthema: der m.E. provozierte Konflikt der USA mit der NATO auf der einen Seite - gegen Russland.

Wie eskalierte Konflikte ausgehen, können wir uns gerade an zu vielen Beispielen ansehen. Wenn wir es zulassen, dass wir in einen Krieg gegen Russland getrieben werden, brauchen wir uns mit innenpolitischen Problemen nicht mehr auseinander zu setzen.

 

Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin/ Fr. Dr. Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Betreff: Unterstützung der US-Amerikanische Truppen- und Materialverlegung nach Polen

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

ich wende mich aufgrund der Entwicklung der aktuellen politischen Situation an Sie.

Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland bestehen ihre Aufgaben u.a. in der Vorgabe der Richtlinien der Regierungspolitik, innenpolitisch als auch außenpolitisch, und sie tragen dafür die Verantwortung. Gerade in der Außenpolitik haben Sie daher in der Politikgestaltung eine entscheidende Bedeutung. Sie können es vielleicht nachvollziehen, warum ich mit meiner Kritik, mich an Sie wende.

Nach dem Fall der Mauer wurde 1990 der "2+4 Vertrag" zwischen der BRD, der DDR und den Besatzermächten auf beiden Seiten unterschrieben und ebnete damit den Weg für die Wiedervereinigung. Ein wesentlicher Punkt war der Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus der (damaligen) DDR bis 1994. Die NATO wurde nach dem 2. Weltkrieg zunächst als Verteidigungsbündnis gegründet. Während nach der Wiedervereinigung 1990 der Warschauer Pakt als militärisches Gegenstück zur NATO aufgelöst wurde (1991) und die sowjetischen Truppen wie vereinbart aus dem Gebiet Ostdeutschlands abgezogen wurden, bestand die NATO fort. Ferner gab es im Gebiet Westdeutschlands weder einen Truppenabzug, noch wurde die Osterweiterung der NATO wie versprochen (James Baker, 09.02.1990, Moskau) verhindert. Es gab lediglich bis 1997 eine Reduktion der NATO-Streitkräfte.

Seit einigen Jahren findet nun eine Aufstockung der NATO-Truppen (nebst zugehörigen Material) statt. Insbesondere seit 2 Jahren hat diese Aufstockung in den osteuropäischen Staaten massiv zugenommen. Als Grund wird hier eine "sicherheitspolitische Strategie" als Begründung genannt, die als Feindbild zunächst den Iran, später Russland präsentierte.

Aktuell erleben wir in Deutschland die größten Truppentransporte seit dem zweiten Weltkrieg. Allein im größten Munitionstransport seit 10 Jahren, sind 620 Container im vergangenen Jahr nach Deutschland verschifft worden. Und dies war nicht der einzige Transport.
Im Rahmen der Operation "Atlantic Resolve" sind vor einigen Tagen mehrere Transportschiffe mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, nebst den Truppen der 3. Kampfpanzerbrigade sowie der 4. Infanteriedivision aus Fort Caston in Colorado in Bremerhaven angekommen. Unterstützt wird dies durch deutsche Soldaten und die Deutsche Bahn.

Was der Bevölkerung als notwendige Sicherheitsstrategie "verkauft" wird, kann m.E. sehr schnell eine eskalierende Wirkung haben. Wie Sie sicher wissen, gibt es keine "Freundschaften" unter Staaten, es gibt nur Interessen. Die können sich ähneln, so dass man bestimmte Prozesse gemeinsam durchführt, oder unterstützt.

Ich bitte Sie - gehen Sie tief in sich: ist die aktuelle Situation im Sinne Deutschlands oder Europas? Kann ein aggressives Verhalten gegenüber Russland (etwas was "wir" im Übrigen ja Russland vorwerfen) wirklich in unseren Interesse sein?

Stellen Sie sich bitte vor (und die Situation gab es in ähnlicher Konstellation schon einmal in der Geschichte) Russland würde einen solchen Truppenaufmarsch in Mittelamerika oder Kanada starten? Raketen, Panzer, Soldaten. Wie wäre die Reaktion der USA?

Ich bin dankbar und froh darüber, dass ich in meinem Leben nie einen Krieg erleben musste. Ich wünsche dies niemanden auf der Welt und ich bedauere zutiefst das Leid was viele russische und europäische Familien, nebst meiner eigenen, vor über 60 Jahren erleben mussten.

Wir haben eine historische Verantwortung. Insbesondere gegenüber Russland. Und die besteht nicht nur darin ein paar Denkmäler zu bauen und im Geschichtsunterricht unseren Kindern in wenigen Tagen die Vergangenheit zu erklären. Aus der Geschichte zu lernen, bedeutet aktiv daran zu arbeiten vergangene Fehler nicht zu wiederholen.

Die Mehrheit der Bevölkerung in Europa und Russland wünscht keinen Krieg, keine Aggression - sie wollen in Frieden mit Ihren Familien leben.

Und darin besteht auch Ihre Verantwortung - eine ethische Verantwortung über Ihre Position und den definierten Aufgaben hinaus. Eine ethische Verantwortung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, deeskalierend zu wirken und alles zu tun, das aus dem "Kalten Krieg 2.0" nicht ein aktiver Krieg mit Russland wird.

Mit freundlichen Grüßen.

 

Der Brief an den Botschafter Dr. Lucas ist inhaltlich, bis auf den ersten Abschnitt, mit dem Brief an Fr. Dr. Merkel identisch. Die Briefe wurden am 11.1.2017 verschickt.

Die Dokumente sind unter www.lucete.de/dokumente.html zu finden.

 

Dieser Artikel wurde bereits 2270 mal angesehen.

Kommentar zu Offener Brief an Fr. Dr. Merkel und den NATO Botschafter der BRD Dr. Lucas ?

Kommentar schreiben:





Spam-Schutz

Aus Gründen der Sicherheit ist dieses Formular mit einem Schutz gegen unerwünschte E-Mails (Spam) versehen.

Damit Sie dieses Formular absenden können, lösen Sie bitte die folgende Aufgabe.



Powered by Papoo 2016
64456 Besucher